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Brief von Paul McCartney und Rajendra Pachauri

Brüssel, 3. Dezember 2009
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Sie sicherlich bereits wissen, muss die Welt – und dabei ganz besonders die Industrieländer – dringend und drastisch handeln, um die Ausstöße an Treibhausgasen zu vermindern. Wir haben keinen Zweifel daran, dass Sie bereits konkrete Schritte unternommen haben um den Klimawandel abzumildern. Trotzdem möchten wir Sie gerne auf eine Möglichkeit aufmerksam machen, die Sie wahrscheinlich bisher noch nicht berücksichtigt haben.
Weltweit ist die Fleischproduktion verantwortlich für mindestens 18% aller Treibhausgasemissionen. Die Ausstöße durch Fleischproduktion und den damit verbundenen Wandel in der Feldernutzung sind einer der wichtigsten Gründe für den Klimawandel. Bisher jedoch behalten die Menschen, besonders in den Ländern mit hohen Einkommen, den starken Fleischkonsum bei. Diese hohe Fleischmenge hat nicht nur negative Auswirkungen auf das Klima und die natürliche Balance der Natur, sondern ist auch schädlich für unsere Gesundheit, da sie das Risiko, an kardiovaskulären Erkrankungen, Fettleibigkeit, Diabetes und anderen Wohlstandskrankheiten zu erkranken, erhöht. Aus diesen Gründen ist es sehr wichtig, unseren Fleischkonsum stark zu begrenzen.
Da unser Essen, und besonders der Fleischkonsum, so ein entscheidender Verursacher der Treibhausgasausstöße ist, ist das stärkste Mittel, das wir in unserem Kampf gegen den Klimawandel zur Verfügung haben, unsere … Gabel. Jedes Mal, wenn Sie eine vegetarische statt einer auf Fleisch basierenden Mahlzeit zu sich nehmen, tragen Sie dazu bei, die Emission an Treibhausgasen zu verringern. Also öfters mal das Fleisch beiseite lassen ist ein gutes Rezept gegen den Klimawandel.
Die örtlichen Regierungen können sicherlich eine wichtige Rolle darin spielen, um den Bürgerinnen und Bürgern zu helfen, ihre Aufnahme an Fleisch und anderen tierischen Produkten zu reduzieren. Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass es in verschiedenen Teilen der Welt bereits Initiativen für einen wöchentlichen, fleischfreien Tag gibt. Vor allem im Fall der belgischen Stadt Gent wurde eine solche Initiative in Zusammenarbeit einer NGO mit der Stadtregierung durchgesetzt. Zusammen haben sie Stadtpläne, die vegetarische Essensmöglichkeiten hervorheben, sowie Anleitungs-Broschüren für Restaurants verteilt und die Speisekarte in städtischen Restaurants geändert. Gent hat zudem einen wöchentlichen vegetarischen Tag in allen 35 städtischen
Schulen eingeführt – eine Initiative, die ebenfalls bereits in der Stadt Baltimore in den USA in die Tat umgesetzt wurde. Ähnliche Programme starteten vor kurzem in Sao Paulo/Brasilien sowie in Hasselt/Belgien und andere Städte überlegen bereits, dies nachzumachen. In Großbritannien ermutigt die Kampagne für einen fleischfreien Montag die Menschen dazu, die Vorteile einer fleischreduzierten Ernährung kennenzulernen und von dieser zu profitieren. Die schwedische Regierung hat außerdem Richtlinien eines gesunden und klimafreundlichen Essens herausgegegeben, die die Empfehlung einer Fleischreduzierung beinhalten.
Jeder einzelne hat aber nur begrenzte Möglichkeiten. Es steht also auch in der Verantwortlichkeit von Regierungen und Industrie, sicherzustellen, dass nachhaltige Alternativen wie pflanzliche Produkte in großem Umfang erhältlich und erschwinglich sind.
Verschiedene unterschiedliche Maßnahmen und Möglichkeiten können zu einem geringeren Konsum von Fleisch und damit zu einem klimafreundlicheren Lebenswandel führen. Städte wie Gent, Sao Paulo oder Baltimore haben eine Liste guter Maßnahmen vorgelegt, die von viel mehr Städten übernommen werden kann und sollte. Es liegt an den Gemeinden und Regierungen, zu entscheiden, wie man diese umsetzt. Wir appellieren beide an die Entscheidungsträger auf den nationalen und lokalen Ebenen, dafür zu sorgen, dass konkrete Schritte in diese Richtung unternommen werden.
Mit freundlichen Grüßen

 


  

Dr. Rajendra Pachauri                                      Sir Paul McCartney

 

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